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Saphirglas oder Mineralglas als Uhrglas – Alles Wissenswerte in unserem Test- & Vergleich

Du kennst es vielleicht aus Deiner eigenen Erfahrung mit unterschiedlichen Uhrenmodellen welche du selbst trägst oder getragen hast. Die Wertigkeit einer Uhr wird oftmals erheblich durch das verbaute Glas definiert. Setzt man sich mit den angegebenen Merkmalen bei einem Neukauf einer Armbanduhr auseinander, fällt einem auf, dass es sich meist um zwei verschiedene Arten von Glas handelt, welche bei einzelnen Uhrenmodellen verbaut werden. Die Rede ist von Saphirglas und Mineralglas bzw. diversen Mischkombinationen dessen – doch wo genau liegen die Unterschiede und welches Glas ist eigentlich besser?

Saphirglas

Mit einer Ritzhärte von 9 auf der Mohs-Skala des deutsch-österreichischen Mineralogen Friedrich Mohs ist Saphirglas nahe am Optimum des Härtegrads, welchen man bei derzeitig bekannten Materialen erreichen kann. Nur Diamant mit einem Referenzwert von 10 ist noch härter und stellt sogleich das obere Ende der Skala dar.
Dies ist einer der Gründe, weshalb viele Uhrenkenner heutzutage auf eine Saphirglas Uhr schwören. Obwohl es genau genommen weder aus einem echten Saphir noch aus Glas gemacht ist. Das Anfang der 1980er Jahre auf dem Markt kommende Saphirglas wird in seiner Rohform aus künstlich erzeugtem Korund gewonnen, das relativ aufwendig in seiner Herstellung ist, da mehrere Schmelzschritte bei unterschiedlichen Gradzahlen in unterschiedlichen Tempo angewandt werden müssen, um das perfekte „Saphirglas“ zu erhalten.

Noch schwieriger ist der anschließende Schritt der Weiterverarbeitung, da für die Uhrenglas-Herstellung die gewonnenen Kristalle in viele dünne „Scheiben“ zersägt werden. Wer gut aufgepasst hat, dem dürfte jetzt auffallen, dass es aufgrund der Härte des Glases nur mit Diamantsägescheiben zu zerschneiden geht und selbst mit diesem Material ist es nicht leicht den Saphir zu filetieren, so dass jede Menge Sägescheiben zu Bruch gehen, was im Endeffekt auch ein Teilaspekt der höheren Herstellungskosten im Vergleich zu Mineralglas erklärt.

Du fragst dich jetzt sicher wieso Saphirglas, Saphirglas heißt und nicht etwa „Korundglas“. Diese Frage kann damit beantwortet werden, dass ein Saphir eine bestimmte Ausprägung von Korund ist und der Name Saphir in der Allgemeinheit weitaus geläufiger als Korund gebraucht wird.

Im Gegensatz zu echten Saphiren, welche leichte bläulich wirken, ist ein künstlich hergestellter Saphir farblos.
Trotz der sehr guten Eigenschaften von Saphirglas ist es nicht unzerstörbar. Du solltest deine Saphirglas Armbanduhr nicht allzu oft fallen lassen. Bei einem ungünstigen Winkel kann es passieren, dass das Glas bricht, da die maximale Zugbelastung der maximalen Druckbelastung nicht gewachsen ist. Die Zugbelastung von Saphirglas erreicht ca. 1/10 der maximalen Druckbelastung.

Konkret bedeutet dies, dass wenn von vorne ein Druck auf das Glas einwirkt, die Rückseite auch immer auf Zug belastet wird. Wird die Zugbelastung überschritten, kann es zum Glasbruch kommen. Diese nominelle Schwäche von Saphirglas existiert beim Konkurrenten „Mineralglas“ aber ebenso, die maximale Zugkraft liegt hier unter der von Saphirglas.

Wichtig zu wissen, Saphirglas in seiner Urform bricht das Licht sehr stark, du solltest daher beim Uhrenkauf unbedingt darauf achten, dass das Saphirglas einseitig oder doppelseitig entspiegelt ist. Wir empfehlen einseitig entspiegeltes Saphirglas, da die Armbanduhr bei beidseitig entspiegelten Saphirglas Ihre Kratzerresistenz einbüßt und somit der größte Vorteil von Saphirglas hinfällig ist. Im Kapitel „Was tun bei einem Kratzer auf der Uhr? Saphirglas richtig polieren -Pflegehinweise“ erfährst du darüber noch mehr.

Mineralglas

Der Dauerbrenner unter den Gläsern ist Mineralglas. Als Nachfolger des einstmals oft verwendeten Kunststoffglases punktete es ab den 1970er Jahren als solide Alternative mit einer u.a. verbesserten Kratzanfälligkeit. Mineralglas besteht aus Siliziumoxid (SiO2), sein chemischer Aufbau ist eng verbandelt mit dem des Bergkristalls bzw. diversen anderen Quarzarten. In seiner einfachen Form ähnelt es aber vor allem auch dem bekannten Fensterglas.

Eine gute Armbanduhr setzt auf gehärtetes Mineralglas, welches zu Zwecken der Robust- und Kratzfestigkeit einem chemischen Prozess unterzogen wird, bei dem letzten Endes die Widerstandsfähigkeit im Allgemeinen bedeutend erhöht wurde. (Der Uhrenhersteller Seiko benutzt dieses Glas bei seinen Armbanduhren unter dem Namen „Hardlex“ – mit einer Vickersharte von bis zu 950.)

Wobei Mineralglas auch nach der Veredelung, gerade bei der Kratzfestigkeit, keine Konkurrenz zu Saphirglas darstellt, welches noch einmal um ein Vielfaches härter ist. Nichtsdestotrotz weist Mineralglas auch einige Vorteile auf, wie z.B., dass es Wasser undurchlässig ist und nicht vergilben kann und somit einen langanhaltenden einwandfreien Blick auf das Ziffernblatt erlaubt.

 

Mineralglas mit Saphirbeschichtung

Wie der Name verrät, ist dies eine Mischform der beiden Glasarten. In diesen Fällen handelt es sich um gehärtetes Mineralglas mit einer extra Oberflächen-Saphir-Beschichtung. Im Gegensatz zur teuren Saphirglas-Herstellung ist diese Hybridkombination früher deutlich günstiger für den Produzenten herzustellen gewesen.

Durch das Wort Saphirglas in der Bezeichnung wurde ebenfalls eine höhere Produktqualität suggeriert, obwohl solch eine Beschichtung nur marginale Auswirkungen auf die Kratzfestigkeit eines solchen Hybridglases hat.

Ein Gif der verschiedenen Series 1 Uhrenmodelle der Marke MNMA

Acrylglas (Plexiglas, Acrylglas, Hesalitglas) 

Acrylglas, welches auch als Hesalitglas oder Plexiglas bezeichnet wird (beides sind einst gechützte Bezeichnungen für diese Art von Glas von Uhrenfirmen), ist noch einmal kostengünstiger in der Produktion als Mineralglas. Dafür kann es in Sachen Kratzfestigkeit den anderen Glasarten nicht das Wasser halten und wird deswegen nur selten in Uhren verbaut.
Eine Uhrenmarke die teilweise bei ihren Uhren auf dieses Glas setzt, ist z.B. der deutsche Uhrenhersteller „Junkers“. (unter der Bezeichnung Hesalitglas)

Der Vor- oder Nachteil,  je nachdem welche Präferenz man hat, von Acrylglas ist, dass es sehr leicht ist und kleinere Kratzer relativ leicht herauspoliert werden können. Der Nachteil dieses Glases ist, dass es leicht zu Kratzern kommt da die Kratzfestigkeit bei nur 500 Vickers liegt.

Vergleichstabelle Saphirglas vs Mineralglas vs Mineralglas mit Saphirbeschichtung

 

EigenschaftenGehärtetes MineralglasSaphirglasMineralglas mit Saphirbeschichtung
Kratzerresistenz4/1010/105/10
Bruchsicherheit (Zugkraft)3/106/104/10
Herstellungspreis8/107/106/10
Lichtbrechung (unentspiegelt)8/105/106/10
Gesamtpunktzahl22/4028/4021/40

Tabelle 1: Zeigt, wie viele Punkte von 1-10 für die jeweiligen Eigenschaften die jeweilige Glasart unserer Meinung nach verdient.

Eine Vergleichstabelle mit wichtigen Eigenschaften von Saphirglas vs Mineralglas vs Mineralglas mit Saphirbeschichtung

Wie kann ich Saphirglas erkennen?

Es ist nur sehr schwer möglich mit bloßem Auge zu erkennen, welches Glas bei einer entsprechenden Armbanduhr verbaut wurde. Fasst oder tippt man auf das Glas, kann es aber anhand von Indizien erahnt werden. So ist Saphirglas in der Regel etwas kälter als Mineralglas bei gleicher Raumtemperatur.

Uhren Wassertropfen Test um Saphirglas zu ermitteln

Saphirglas Wassertest – Tropfen bleibt kompakt bei rechter MNMA Series 1 Uhr im Vergleich zu Mineralglas Uhr bei der Tropfen „verschmiert“

Auch das Tippen auf das Glas der Uhr liefert weitere Hinweise auf das verbaute Uhrenglas, es fühlt sich bei Saphirglas dumpf und bei Mineralglas eher hell an.

Ein weiterer Test ist das Auftragen eines Wassertropfens auf den Mittelpunkt des Glases der jeweiligen Uhr. Wenn der Tropfen seine Form behält, ist die Wahrscheinlichkeit hoch das Saphirglas verbaut wurde. Verliert der Tropfen seine Form und verläuft sich, kann man sich relativ sicher sein, dass bei der Armbanduhr Mineralglas verbaut wurde.Siehe auch das rechte Bild, wir haben einmal eine MNMA Series 1 mit echtem Saphirglas mit einer Uhr von einem anderen Hersteller verglichen, welche „nur“ Mineralglas als verbautes Glas aufweist – wir finden im Vergleich ist der Unterschied deutlich zu erkennen.

Etwas schwieriger wird es wenn eine spezielle Beschichtung auf der Glasoberseite angebracht wurde, zum Beispiel zur besseren Lesbarkeit. Durch die Beschichtung kann es sein, dass der Tropfen trotz verbauten Saphirglas verläuft, deswegen empfehlen wir die Methode des Diamanttesters. 

Die letzte und sicherste Methode liefert uns der Diamanttester*, welcher normalerweise genutzt wird, um Edelsteine auf ihre Echtheit zu prüfen. Er funktioniert aber auch bei Uhrengläsern. Der Diamanttester prüft hierbei die Wärmeleitfähigkeit des Glases. Saphirglas unterscheidet sich diesbezüglich, da es die Wärme sehr gut leitet, viel stärker als etwaiges Mineralglas.

Hierzu wird im ersten Schritt die Spitze des Gerätes auf eine bestimmte Gradzahl erwärmt. Im Anschluss wird das Gerät mit dem vorderen Ende auf das Uhrenglas gedrückt, danach wird gemessen wie schnell sich die Spitze abkühlt. Die verschiedenen Leuchtpunkte am Gerät zeigen dabei auf, wie stark die Abkühlung bei Berührung ist und geben Rückschluss über die Wärmeleitfähigkeit des jeweiligen Uhrenglases. Zuverlässige gibt es im Fachhandel schon für einen geringen Betrag zu erwerben. 

Jetzt schauen wir uns an, was du tun kannst, wenn Kratzer auf der Uhr sind.

Diamond Selector II testet ob in der Uhr Saphirglas verbaut wurde.

Saphirglas richtig polieren -Pflegehinweise

Eine Uhr ist ein Schmuckstück und in der Regel kein billiges Accessoire. Schmuckstücke müssen gepflegt werden, so dass Sie auch nach einiger Zeit nichts von Ihrem Glanze verlieren.

Die richtige Pflege bei Saphirglas ist ein wichtiger Aspekt und sollte nicht vernachlässigt werden. Vermeide deswegen, trotz des Härtegrades, entsprechende Stöße oder Reibung auf deiner Uhr. Siehst du trotzdem Unregelmäßigkeiten auf dem Glas, sind es meist andere Stoffe, die sich als „Kratzer“ tarnen. Du hast die Möglichkeit durch den Kauf eines handelsüblichen Radiergummis diese potenziellen „Kratzer“ leicht zu entfernen.

Sollten allerdings doch mal echte Kratzer auf die Armbanduhr gelangt sein, ist es schwierig – aber nicht unmöglich, die Kratzer wieder heraus zu polieren. Für die Handwerksprofis unter uns ist es von Vorteil, wenn ein Dremel* im Hausrat vorhanden ist. Kaufe dazu noch Diamantschleifpaste* mit einer 3000er Körnung und Polierfilz*, natürlich alles auf eigene Gefahr. Wenn du entsprechend vorsichtig bist und einiges an Zeit und Geduld mitbringst, schaut das Saphirglas bald wie neu aus. Verfügst du aber nicht über etwaige Kenntnisse in diesem Bereich, ist es ratsam zu dem Handwerker deines Vertrauens zu gehen oder das Glas vom Juwelier austauschen zu lassen.

Wichtig: Manche Hersteller verbauen Saphirglas mit einer äußeren Antireflexionsschicht auf dem Saphirglas. Diese AR-Schicht dient zu einer besseren Entspiegelung. Führt aber einen der Hauptvorteile von Saphirglas ad absurdum, die Kratzresistenz geht verloren.

Du solltest dich vor dem Kauf informieren, ob dein Armbanduhr in Spe eine äußere AR-Schicht aufweist und ob du diese bei einer angedachten Politur behalten möchtest, da Sie durch die Diamantschleifpaste mit abgeschliffen wird.

 

soeren_lenzner_gruender_MNMA_Uhren

Soeren, Gründer MNMA

Mein Fazit im Uhrenglas Vergleich

 

Sowohl Armbanduhren mit Mineralglas als auch Saphirglas haben ihre Daseinsberechtigung. Käufer die auf maximale Haltbarkeit, Kratzfestigkeit sowie auf das „Look & Feel“/Haptik einer Armbanduhr wert legen werden mit einer Saphirglas Uhr glücklich.

Wird hauptsächlich auf den Preis bei einer Armbanduhr geachtet, ist Mineralglas eine sinnvolle Wahl um den Gesamtpreis niedrig zu halten, da die Herstellung auf einem günstigeren Level liegt.

Auf eine Uhr mit Acrylglas sollte man mMn nicht unbedingt setzen, es sei denn man liegt beim Kaufpreis unter 40 Euro.

Mit den sonstigen Eigenschaften von Mineralglas bekommt der preisbewusste Käufer durchaus eine solide Glasbasis für seine Armbanduhr, muss aber im Zweifelsfall eher mit einem Neukauf rechnen, als wenn ein höherwertiges Glas verbaut wird.

Die Mischkombinationen aus den beiden Gläsern sind heutzutage unserer Meinung nach nicht mehr zu empfehlen, da die Herstellung teuer ist und die Produktionskosten von Saphirglas gesunken sind. Wodurch sich die einstigen Vorteile weitgehend aufwiegen.

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